Ich hasse … – Hassen und gehasst werden

Ich hasse …

Ich hasse ...

Wer es schon einmal gefühlt hat, der hält es für eine der stärksten Emotionen, die es gibt. Wer diesem Gefühl nachgibt, der hat praktisch schon in dem Moment verloren, in dem er dem Drang nachgibt. Die Rede ist vom Hass. Kaum ein anderes Gefühl setzt so viel Kraft und so viel Energie in uns frei, wie das Gefühl von Hass. Dabei kann man die unterschiedlichsten Dinge hassen und darüber streiten. Doch führen wir uns zunächst die Bedeutung und die Macht der Worte “Ich hasse …” vor Augen, denn diese werden, ohne, dass wir es bemerken, heutzutage viel zu oft verwendet.

Ich hasse …

Auch Sie haben sicher schon öfter “Ich hasse …” gehört, denn in der heutigen Zeit schmeißt man, ähnlich wie mit “Ich liebe …” auch mit “Ich hasse …” um sich. Dabei muss sich “Ich hasse …” noch nicht einmal auf Personen beziehen. Auch wird “Ich hasse …” in jeder Altersgruppe von Menschen anders verwendet. So hört man bei Kindern oft “Ich hasse Broccoli” oder “Ich hasse Legobausteine”. Bei Jugendlichen geht es da schon etwas rabiater zu. Bei ihnen hört man meistens das recht brutale “Ich hasse dich” oder “Ich hasse ihn / sie”. Meistens bezieht sich das auf Mitschüler oder vermeintliche Freunde. Auch Lehrer können in diese Sparte fallen: “Er hat mir in Mathe eine 5 gegeben. Ich hasse ihn!” Mit wachsendem Alter wird man sich jedoch mehr und mehr der Bedeutung der Worte bewusst und verwendet sie kaum bis gar nicht mehr. Und überlegt man sich einmal genauer, was Hass überhaupt ist, so wird einem schnell deutlich, dass es Dinge gibt, die man gar nicht hassen kann, von denen man aber behauptet hat, man würde sie hassen. Hass wird also nur verwendet, um dem Ernst der Lage Ausdruck zu verleihen.

Ich hasse sie

Diesen Satz hört man, anders als vielleicht manch einer vermutet, weniger von Männern an Frauen gerichtet, sondern eher von Frauen an Frauen gerichtet. Nicht selten spielt bei “Ich hasse sie” das große Thema Eifersucht eine Rolle. “Sie hat tolle lange Beine. Ich hasse sie”. In diesem Fall ist das hassen natürlich mit leichter Ironie behaftet und somit nicht so ganz ernst gemeint. In anderen Fällen kann es aber auch bedeuten: “Sie ist mit meinem Mann durchgebrannt, ich hasse sie”. In diesem Fall ist der Hass selbstverständlich ernst gemeint, dahinter steckt keinerlei Ironie. Ein wenig anders ist es hingegen bei Männern.

Ich hasse ihn

Natürlich kann auch hier das leidige Thema Eifersucht gemeint sein. Ab und zu ist Mann sicher auch mal neidisch auf die Muskeln eines anderen Mannes oder auf das ganze Erscheinungsbild und spricht deshalb von Hass. Jedoch kann hier auch durchaus gemeint sein: “Er hat mir das Steak vor der Nase weggeschnappt, ich hasse ihn!”. Wie sie sehen ein weniger triftiger Grund um von Hass zu sprechen, bei Männern jedoch durchaus üblich, denn sie haben oft einen leichten Hang zur Übertreibung. Nimmt man ihnen das Essen weg, ist es ähnlich, wie wenn man einem kleinen Jungen sein Spielzeug wegnimmt. Nur statt zu plärren, sprechen Männer von Hass. Ist doch ganz logisch, oder?

Ich Hasse Mich Selbst

Ein weit verbreitetes Problem, leider. Dieses kommt meistens nicht von ungefähr und geht einher mit schlechten Kindheitserfahrungen, möglicherweise Mobbing und dem damit verbundenen zu schwachen Selbstwertgefühl. Selbstverständlich kann man dieses trainieren, doch das kostet Zeit, Nerven, aber vor allem viel Kraft und den Willen, etwas ändern zu wollen. Es ist also ähnlich wie mit dem Wunschgewicht. Nur mit Willensstärke erlangt man sein Ziel. Doch warum hassen sich Menschen eigentlich selbst? Auch hier hört man aus verschiedenen Altersklassen verschiedene Äußerungen. Kinder behalten sich oft das “Ich schaffe das Level in Super Mario einfach nicht, ich hasse mich, ich bin zu doof dafür” vor, während Jugendliche sich eher täglich einreden “Ich habe nicht die perfekte Bikinifigur, ich bin zu fett, ich hasse mich”. Außerdem kommt wieder die Weisheit der älteren Generation ins Spiel. Von Menschen jenseits der 40 Jahre, hört man nur noch selten, dass sie sich hassen würden. Meist gar nicht mehr. Warum auch? Sie haben sich abgefunden mit dem, was sie sind und wie sie sind. Sie wollen sich nicht mehr ändern und wenn doch, dann tun sie es einfach ohne sich vorher selbst zu erklären, wie sehr sie sich selbst hassen. “Ältere” Menschen brauchen das nicht mehr, sie wissen um sich, ihre Stärken und ihre Schwächen und sie wissen darum, damit umzugehen. Kein Wunder also, dass man von ihnen nichts mehr bezüglich Selbsthass hört.

 

Ich Hasse Katzen

Aber den! Den kann man hassen! “Meine Katze schmeißt immer alles um”, “Ständig hat meine Katze Durchfall und ich muss es wegmachen”, “Meine Katze frisst mir noch die Haare vom Kopf, ständig kommt sie betteln, wenn ich essen möchte, ich hasse sie”. Jawoll, es gibt Menschen, die hassen ihre Katze. Stellt sich natürlich die offensichtliche Frage, wieso sie sich dann eine Katze zugelegt haben, wenn sie nur darüber schimpfen können. Vielleicht sollten diese Menschen, die ihre Katze hassen, einmal tief in sich gehen und überlegen, wieso sie sich eine Katze gekauft haben. Ob sie eine Freundin an ihrer Seite haben wollten oder ob sie einfach nur jemanden gesucht haben, der zum Kuscheln kommt und von ihnen abhängig ist. Bleibt hierzu nur noch übrig zu sagen: Katzen lassen sich nicht erziehen.

Ich hasse meine Mutter

Ein klassischer Fall von: Ich hatte eine traurige Kindheit. Damit man soweit geht zu behaupten, seine Mutter zu hassen, muss schon einiges an traurigen Geschichten vorgefallen sein, denn die Verbindung, die man zu seiner Mutter hat, die hat man zu keinem anderen Menschen. Es ist eine unsichtbare Verbindung und doch ist sie da und beide können sie fühlen. Um zu sagen “Ich hasse meine Mutter” muss also einiges vorgefallen sein. Was das gewesen sein könnte, die Frage kann sich wohl jeder selbst beantworten. Von den Eltern geschlagen, im Stich oder allein gelassen worden. Für manche reicht es auch schon aus ihre Mutter zu hassen, wenn sie zwei Wochen lang kein Taschengeld bekommen haben. “Meine Mutter hat mir nicht die Schuhe für 200 Euro gekauft, ich hasse sie”. Sie merken etwas? Ja, diese Aussage dürfte wohl kaum von einer 30jährigen Dame stammen. Wohl eher von einem 14jährigen Mädchen, welches zum zweiten Mal die Hauptschule besucht, oder? Oberflächlichkeit zeigt sich eben auch in der Wortwahl. So kann man seine eigene Mutter schon mal hassen, wenn sie einem nicht die teuersten Schuhe kauft oder den Luxus, den man gerne hätte, mit finanziert. Klingt ebenfalls ganz logisch, oder?

Ich hasse ...

Ich hasse …

Wie Ihnen in diesem Text hoffentlich deutlich geworden ist, ist Hass nicht nur Auslegungs- sondern auch Alterssache. Legen Sie also am besten nicht jedes Wort auf die Goldwaage, wenn Ihnen Ihr Kind morgen sagt, es würde sie hassen, weil es Möhreneintopf gibt und nicht etwa das Burger King Menü mit doppelt Käse und Chicken Nuggets. Bewerten Sie das Wort “hassen” nicht über und nehmen Sie es sich nicht zu Herzen, wenn es fällt. Es handelt sich um nichts weiter als zwei Wörter und von diesen beiden Wörtern werden Sie sich doch nicht einschüchtern lassen? Seien Sie einfach mal lässig, nehmen Sie die Schultern zurück und wenn Ihnen Ihr Kind das nächste Mal damit kommt, es würde Sie für Ihr Essen hassen, sagen Sie betont gelangweilt: “Und ich hasse es, wenn du immer von Hass sprichst, obwohl du keine Ahnung hast, was Hass überhaupt bedeutet”.

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